
Perspektive
Duldung
Über das Projekt
Ausgangslage und Verein für Obdachlose
Im Februar 2026 wurde in Kooperation mit dem Verein für Obdachlose in Innsbruck ein gemeinsames Projekt initiiert, das auf einen konkreten Impuls des Vereins zurückgeht. Ausgangspunkt war die Frage, wie Menschen mit Status Duldung in Beschäftigung gebracht und dadurch ihre Lebensqualität sowie gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig verbessert werden können.
In den vergangenen vier Monaten wurde intensiv an diesem Vorhaben gearbeitet. Gemeinsam mit unterschiedlichen Stakeholder:innen aus Sozialarbeit, Wirtschaft, Arbeitsrecht und weiteren relevanten Bereichen wurden mehrere Gespräche geführt sowie zwei Fokusgruppen durchgeführt, um Herausforderungen, Bedarfe und mögliche Lösungsansätze aus unterschiedlichen Perspektiven zu analysieren.
Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen
Das Projekt basierte ursprünglich auf der Annahme, dass Menschen mit rechtlicher Duldung unter bestimmten Voraussetzungen Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt erhalten können. Genau an dieser Schnittstelle setzte die Projektarbeit an: Bestehende Barrieren sollten identifiziert und konkrete Wege zur Arbeitsmarktintegration entwickelt werden.
Im Verlauf des Projekts haben sich jedoch wesentliche politische und rechtliche Rahmenbedingungen verändert. Auf europäischer Ebene wurde der Weg für sogenannte „Return Hubs“ – Abschiebezentren außerhalb der EU – geebnet. Diese Entwicklungen könnten künftig dazu führen, dass Menschen mit Duldungsstatus verstärkt aus Österreich in solche Zentren überstellt werden, anstatt längerfristig hier zu verbleiben.
Zusätzlich trat am 12. Juni 2026 eine gesetzliche Änderung in Österreich in Kraft, durch die der bisher unter bestimmten Bedingungen mögliche Zugang geduldeter Personen zum Arbeitsmarkt erheblich eingeschränkt beziehungsweise faktisch aufgehoben wurde.
Diese Veränderungen entziehen dem Projekt in seiner ursprünglichen Form seine zentrale Zielgruppe und stellen die bisher erarbeiteten Ansätze vor grundlegende neue Herausforderungen.
Zukunftsperspektive
Trotz dieser Entwicklungen hat die bisherige Projektarbeit deutlich gezeigt, wie groß der Bedarf an niederschwelligen Beschäftigungsmöglichkeiten für besonders vulnerable Gruppen ist.
Aus diesem Grund soll das Projekt im kommenden Jahr in erweiterter Form wieder aufgegriffen werden. Der Fokus wird dabei auf eine breitere Zielgruppe gelegt: Menschen, die aktuell als nicht arbeitsfähig gelten oder keinen Zugang zu bestehenden Beschäftigungs- und Unterstützungsangeboten haben – etwa aufgrund fehlender Sozialversicherung, Wohnungslosigkeit oder mangelndem Anspruch auf Rehabilitationsleistungen.
Ziel bleibt es, soziale Teilhabe zu fördern, sinnstiftende Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und bestehende Versorgungslücken sichtbar zu machen und langfristig zu schließen.

